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Noorder Platt
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Kressbeem guggen
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Noch e neih Steckelche aus Noorden (von Rainer Hummel)
Wie ech nach suh en kläner Kärl wohr, gäng ech emmer da zwäite Feierdach Kressbeem guggen. Dä erscht gäng ech bai meng Hildegoth. Die hatten en ganz gewähnlichen Bomm met Kuelen, Gleckscher onn Keerzen onn met Lammetta. Dä wohr siehr geguggt, awwer et goof emmer gore Plätzjer, onn datt gefehl mier fast nach bässer wie dä Bomm. Dann kohmen Schmidden dronn. Bej denn stohng dä Bomm enn dä gooren Stuff, onn dä wohr emmer besonnersch schien geschmeckt. Da gooft et och bontische Kuelen onn Gleckscher. Dat wohr siehr schien. Die Paulagoth hatt och emmer goore Plätzjer, owwer ech konnd doh och net suh lang bleiwen, weil ech joh unbedingt noh Schlauren mussd. Datt wohr joh iwwerhaupt dä Bomm fer misch. Die hadden ebbes ganz Besonnerschtes: Onn denn ihrem Bomm hengen Gloosdehler, die wohren fast wie Dannenzappen. Onn fill wohren dat. Onn fill Lammetta heng dezweschen. Wohr dat schien. Onn dann kohm dat Bäste: Et Inge hollt en Schlessel, suh wie mier änen ferr de Owwer em Stiffschen hadden, onn dräht denn Stänner off. Wenn et suh e poor Mohl gedräht hatt, feng der Bomm on sich ze drähen onn et spillte Musik, ech glewen, datt et „Ihr Kinderlein kommet“ wohr. Nadeerlich gooft et bei der Alma Goth och Plätzjer, awwer die konnden gor net suh good sain, wie dä Bomm schien wohr.
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Holz schneiren – Enn neih Steckelche aus Noorden
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(von Rainer Hummel)
Houtsedachs hätt joh fast jerer em Dorf en Kerrenseh orrer en Kraisseh, dat goof et frejer net. Do wuhr dat Holz geressen, onn de langen Scheiter wuhr off den Wohn gelohren onn bej Scheyersch gefohren. Die hadden nämlich en Kraisseh. Ennen enn der Schouer stohng en Elektromodohr met err Rähmenscheiff. Enn där Wand wohr en Schletz, durch denn stoppt dä Alwin enn Rähmen, dä suh lang wohr, datt äh bess onn de Seh langte. Die hatt wirre enn Rähmenscheiff, do kohm hä droff. Wenn dä Alwin suh wait wohr, kohm der Heinrich debai, onn de Maschiin wuhr angelossen.De erscht dreht die sech ganz langsam, onn et brommte ganz teef. Dann gäng dat emmer siehrer, onn dä Ton wuhr emmer heller onnn emmer horter. Dä Heinrich wosst ganz genau, winnie de Maschiin siehr genoch wohr. Onn dann gäng et loos: Dä Alwin langte de Scheirer onn, onn dä Heinrich schnett se enn veer Stecker. Wenn datt decke Scheirer wohren, moch de Maschiin ganz komische Stemmen, dann zoch dä Heinrich datt Scheit besschen hief, bess de Maschinn wirer rischdisch off Touren wohr. Bess su en ganzer Wohn Holz geschnirren wohr, datt douerte ganz schien lang. De Leit, dennen dat Holz wohr, die mussden dischdisch helfen, eerscht mussden se dem Alwin bailangen, onn se mussden de geschnirrenen Scheirer fortraffen, weil dä Heinrich joh sost net rischdisch stohn konnt. Onn gleeft mer, de aller lätzt wuhr datt Säjenmell enn Säck gekeert, weil mer datt jo ferr et Rääschern braucht.
Und nächste Woche gibt es die Übersetzung. Edgar Reifenscheidt Ortsbürgermeister
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Holz schneiden
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Heutzutage hat fast jeder im Dorf eine Ketten- oder eine Kreissäge. Das gab es früher nicht. Damals wurde das Holz gerissen, und die langen Holzstücke wurden auf den Wagen geladen und zu „Scheyersch“ gefahren. Die hatten nämlich eine Kreissäge. Innen in der Scheune stand ein Elektromotor mit einer Riemenscheibe. In der Wand war ein Schlitz, durch den steckte der Alwin einen Riemen, der so lang war, dass er bis an die Säge reichte. Diese hatte wiederum eine Riemenscheibe, da wurde der Riemen dann aufgelegt. Wenn der Alwin so weit war, kam der Heinrich dazu, und die Maschine wurde angeschlossen. Zuerst drehte sie sich ganz langsam, und es brummte ganz tief. Dann ging es immer schneller, und der Ton wurde immer heller und lauter. Der Heinrich wusste ganz genau, wann die Maschine schnell genug war. Dann ging es los. Der Alwin reichte die Holzstücke an, und der Heinrich schnitt sie in vier Teile. Wenn es dicke Holzstücke waren, machte die Maschine ganz komische Töne, dann zog de Heinrich die Stücke etwas zurück, bis die Säge wieder richtig auf Touren war. Bis so ein ganzer Wagen Holz geschnitten war, dauerte es ganz schön lange. Die Leute, denen das Holz gehörte, mussten tüchtig helfen, erst mussten sie dem Alwin das Holz anreichen, und sie mussten die geschnittenen Hölzer fortbringen, weil sonst der Heinrich nicht richtig an der Säge stehen konnte. Und glaubt mir, zuletzt wurde auch noch das Sägemehl in einen Sackgekehrt, weil man dies zum Räuchern brauchte.
Edgar Reifenscheidt Ortsbürgermeister
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Heu- und Grummeternte in Nordhofen (Teil 1)
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Ein Bericht wie die Heu- und Grummeternte in den Wiesen der Gemarkung Nordhofen geregelt waren nach Aufzeichnungen von Arnold Hummerich
In der Gemarkung Nordhofen gibt es 5 große Wiesengemarkungen die in Bachtälern liegen.
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1. "Die Wasch"
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Dazu gehören die Küpperswiese, die Urbach, die Hoh-Wiese. Durch diese Wiesen fließt der Urbach. Er entspringt im Heidewald. Bei Austritt aus dem Wald bildet der Urbach die Grenze zwischen den Gemarkungen Nordhofen und Selters. Links vom Bachlauf ist Nordhofen, rechts davon beginnt die Gemarkung Selters. Beim Bau der Eisenbahn musste ein großer Damm aufgeschüttet werden. Der Urbach unterquert die Bahn in einem mannshohen Durchlass. Auch nach dem Bahndammdurchfluss ist der Bach die Grenze zwischen Selters und Nordhofen, bis zum „Bingels-Bäumchen“ (*). Dort knickt der Bachlauf dann links ab, fließt durch „Die Wasch“ und mündet dann in der Backenau (Gemarkung Selters) in den großen Saynbach.
(*) Erläuterung: Bingels-Bäumchen steht an der Straße nach Selters, dort wo die Kreisstraße von Nordhofen aus in Richtung Selters nach links abknickt. Den Baum hat der frühere Pfarrer Bingel gepflanzt. Wenn er im Winter spät von Selters kam und der Weg verschneit war, konnte er sich orientieren, wo die Straße nach rechts abbog. Zu dieser Zeit war der Straßenverlauf noch nicht an Telefonmasten oder ähnlichem erkennbar.
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2. "Die Bruchswiese"
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Die Bruchswiese beginnt an der Grenze zwischen Vielbach und Nordhofen und endet am Bahndamm. Durch die Bruchswiese fließt der „kleine“ Saynbach. Auch der kleine Saynbach unterquert den hoch aufgeschütteten Bahndamm in einer großen Röhre, genannt der „Kanal“.
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3. "Die Aue" (im Noorder Platt: die "Oah")
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„Die Aue“ beginnt auf der der „Bruchswiese“ gegenüberliegenden Seite des Bahndammes und endet an dem Weg, der in die „Lotzenheck“ führt.
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4. "Die Langwiese"
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Sie schließt sich auf der anderen Seite des Weges in die „Lotzenheck“ an „Die Aue“ an, geht bis an die Straße nach Mogendorf und in Richtung Mogendorf bis an das ehemalige Schwimmbad. „Die Langwiese“ ist die größte Wiese in der Gemarkung Nordhofen und wird ebenfalls vom „kleinen Saynbach“ durchflossen. Sie teilt sich noch mal auf. Das Gewann links vom Bach bis zum Wald ist der „Hals“, das Gewann rechts vom Bach ist die „Langwiese“ und an der Straße nach Mogendorf ist der „Graue Winkel“.
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5. "Die Überwiese"
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Die Überwiese beginnt rechts von der Straße zur Mausmühle und geht fast bis nach Oberhaid. Der „kleine Saynbach“ fließt auch durch diese Gemarkung und mündet dann bei Oberhaid in den „großen Saynbach“.
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Die Bewässerung der Wiesen für die Grünernte
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In früheren Zeiten gab es noch keine Kunstdünger, und als es sie dann gab, konnten sich die meisten Landwirte diese nicht leisten. Die Bauern waren daher darauf angewiesen, die Wiesen im Herbst und Winter zu bewässern um schon frühzeitig im Jahr das erste Grünfutter zu ernten. Dazu gab es in vielen Wiesengemarkungen Wehre in den Bächen und ein Bewässerungssystem für die Wiesen. Das Wasser wurde an den Wehren zuerst über die oberen und dann über die weiter unten liegenden Gräben in die Wiesen geleitet. Dazu wurden die Gräben gestaut, sodass das Wasser sich über die Wiesen verteilte. Man ließ die oberen Gräben immer etwas offen, damit die weiter unten liegenden Landwirte ihre Wiesen auch bewässern konnten. So sollte es sein und so war es schon seit langen Zeiten Brauch. So war es aber nicht immer. Oft kam man abends zur Wiese, da waren die oberen Gräben entweder ganz geöffnet oder ganz verschlossen. Dann hieß es: „Man hat mir das Wasser abgeschlagen“
(*) Anmerkung: Ein Wehr und Teile der Bewässerungsgräben kann man noch in „Der Aue“ sehen. Aber nicht mehr lange. Das Land will alle nicht mehr benötigen Wehre entfernen, um den Fischzug nicht zu behindern. Das Wehr in „Der Aue“ wird voraussichtlich in diesem Frühjahr entfernt. Vorher ist aber noch eine Begehung mit der „Westerwälder Zeitung“ geplant. Die Zeitung will über dieses Zeugnis der Vergangenheit berichten.
Wenn im Frühjahr dann das erste Grün gemäht werden konnte, gingen die Bauern mit Tüchern (so genannte Krauttücher) und holten Gras. Das frische Gras war dann ein Leckerbissen für das Vieh, nach einem langen Winter mit Heu und Stroh.
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Heu- und Grummeternte in Nordhofen (Teil 2)
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Heute der zweite Teil des Berichtes von Arnold Hummerich über die Wiesentäler und die frühere Regelung der Heu- und Grummeternte in Nordhofen.
Die Heu- und Grummeternte
In früheren Jahren war das mit der Heu- und Grummeternte nicht so einfach wie heute. Die Ernte war genau geregelt. In unserem Dorf gab es, neben dem Bürgermeister, drei oder vier Männer die Feldschützen waren. Wenn es im Juni „Wetter gab“, kamen die Feldschützen zusammen um zu beraten. Je nachdem wie der Grasstand war, wurde entschieden ob angefangen werden konnte, oder ob man noch einige Tage warten musste. Wenn die Entscheidung über den Beginn der Ernte dann gefallen war, ging am nächsten Tag, oder auch noch am gleichen Tag mittags der Polizeidiener mit der Schelle durch das Dorf und rief: „Die Wasch is offgedon“, das hieß: In der Gemarkung „Wasch“ kann gemäht werden.
In dieser Zeit wurde immer zuerst „die Wasch offgedon“, weil dort der Grasstand meist am Höchsten war. Die Heuernte dauerte in der Regel immer zwei bis drei Wochen und in der Wasch musste begonnen werden, da ansonsten das Gras hätte faul werden können. In „der Wasch“ gab es damals viele kleine Placken (Parzellen), von denen jeder Landwirt in Nordhofen einen oder mehrere besaß.
Wenn die Ernte nun aufgetan war, gingen die Männer mit den Sensen zu ihren Placken und mähten mit der Hand. Die Frauen machten die „Maden“ auseinander. Später kamen dann auch die Landwirte mit den Mähmaschinen, die durften aber erst nach vier Uhr in die Wiesen, damit sie den Leuten, die mit der Hand mähen mussten, das Gras nicht festfuhren.
Wenn „Wetter war“, konnte es sein, dass am nächsten, aber meist erst zwei Tage später, noch die Bruchswiese aufgetan wurde. Danach folgten die weiteren Wiesen, wie „die Aue“, „die Langwiese“ und „die Überwiese“. Man kann sich vielleicht heute nicht mehr vorstellen, was für eine harte Arbeit es war, wenn alle „Wiesen offgedon“ waren und die Heuernte eingefahren werden musste.
Zuerst wurde das Gras, wie schon beschrieben, meist noch mit der Sense gemäht. Die Frauen machten die „Maden“ auseinander. Die Frauen waren es auch, die das Heu oft tagelang wendeten bis es ausreichend trocken war. Die Frauen deshalb, weil die meisten bäuerlichen Betriebe damals Nebenerwerbsbetriebe waren und die Männer tagsüber zur Arbeit gingen. Die teilweise weiten Wege, wie zur „Langwiese“ oder zur „Aue“, wurden oft mehrmals am Tage zu Fuß von den Frauen zurückgelegt.
Oft kam es auch vor, dass man meinte das Heu wäre gut zum heimholen, dann kam der Regen dazwischen. Auf einen Wetterbericht konnte man damals noch nicht zurückgreifen. 1931 kam ein neuer Pfarrer nach Nordhofen. Pfarrer Siuts war im Besitz des einzigen Radios und der einzigen Schreibmaschine im Dorf. Von da an war es für die Bauern bei der Heuernte einfacher. Pfarrer Siuts hat dann regelmäßig auf einer schwarzen Tafel vor dem Pfarrhaus den aktuellen Wetterbericht veröffentlicht. Das war eine große Hilfe für die Bauern da man wesentlich besser planen konnte. Zu dieser Zeit wurden auch schon mal, wenn gutes Wetter für die nächsten Tage vorhergesagt war, zuerst die weit entfernten Wiesen aufgetan. Damit war man etwas sicherer, dass die weiten Wege wegen Regenwetter nicht etwa zwei- oder mehrmals gemacht werden mussten.
Die Grummeternte verlief dann so wie die Heuernte.
Edgar Reifenscheidt Ortsbürgermeister
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Ein Spielmannszug in Nordhofen
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2. „Ein Spielmannszug in Nordhofen“ von Arnold Hummerich
In Nordhofen gab es einmal einen Spielmannszug. Ein Mitbegründer dieser Musik, Arnold Hummerich, erzählt die recht kurze Zeit des Bestehens des Spielmannszuges in Nordhofen.
In der Zeit des Nationalsozialismus waren alle Jungen, bis zum Ende der Schulzeit, im „Jungvolk“. Anschließend wurde man Mitglied in der Hitlerjugend (HJ). Im Sommer 1936 kam etwa 30 Jungen der HJ mit dem Fahrrad aus dem Ruhrgebiet nach Nordhofen. Sie wurden bei den Einwohnern einquartiert und blieben einige Tage. Mit dabei war auch ein Spielmannszug. Das hat uns Jungen, wir waren damals 10, 11 und 12 Jahre alt, so gut gefallen, dass wir uns sagten, das machen wir auch.
Das war natürlich schneller gesagt als getan. Erst wurde mal festgelegt, wer flötet und wer trommelt. Dann war noch die Frage, wer mit uns übt. Wille Bamberger, der Vater von Wilfried Bamberger, war während des ersten Weltkrieges bei der Musik und spielte anschließend in einer Kapelle. Er war bereit uns zu unterrichten.
Der damalige Bürgermeister Ernst Hummerich war unserer Idee sehr zugetan. Er ließ uns in der Gemeinde leichte Arbeiten verrichten. Dafür bekamen wir 50 Pfennige die Stunde. Wir hatten beschlossen, dass vier Jungen flöten und drei Jungen trommeln sollten. Die Flöten konnten wir schon nach einigen Wochen bei der Firma Meinel und Herold in Klingental bestellen. Die Trommeln stellten wir aus Holzständer mit Sperrholzplatten (ca. 30 x 30 cm) selbst her. Die Stöcke zum Trommeln waren Haselnussstecken.
Die ersten Mitglieder unseres Spielmannszuges waren: Flöten: Helmut Stauber, Wilfried Bamberger, Friedhelm Ströder, Werner Schmuck Trommeln: Walter Frohneberg, Berthold Bäcker, Arnold Hummerich
Auf dem Backes wurde einmal die Woche mit den Pfeifern und einmal die Woche mit den Trommlern geübt. Zuhause musste dann weiter geprobt werden. Einige Zeit später hatten wir auch genug Geld zusammen um die Trommeln zu kaufen. Eine Flöte kostete damals 7,00 Mark und eine Trommel etwa 15,00 Mark. Mit den Trommeln konnten wir erstmals auch zusammen spielen. Das hörte sich dann auch schon wie Musik an. Nachdem wir Herrn Bamberger noch einen Tambourstab gekauft hatten, konnten wir bei Festen im Festzug mitspielen. Das waren jedes Mal tolle Erlebnisse für uns.
Die „Großen“, wie man damals sagte, also die Jungen, die schon aus der Schule waren, haben uns anfangs belächelt. Als sie dann aber sahen, was aus unserer Idee geworden war, wollten sie auch mitmachen. Sie schafften sich dann eigene Instrumente an. Mit den Neuen waren wir im Jahre 1938 etwa 15 Mitglieder im Spielmannszug. Im Jahre 1939 waren wir dann richtig eingespielt. Im Herbst 1939 begann jedoch der Krieg, da war es auch mit der Musik vorbei. Von den Musikern aus dem Jahre 1939 sind sechs im zweiten Weltkrieg gefallen. Zwei Gründungsmitglieder aus dem Jahre 1936 leben heute noch.
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Von Einem, der versucht Noorder Platt zu schreiben
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Schon als Kind war Platt meine Sprache, und ich habe es nie verlernt. Da ist es ja nur zu verständlich, dass ich gerne dafür sorgen will, dass das Noorder Platt nicht verloren geht. Aber…. Es ist ja ganz leicht, Platt zu sprechen, das geht nur so von der Zunge. Das Schreiben ist aber schwer, denn es gibt im Platt viel mehr Laute, als das hochdeutsche Alphabet hat. Da fängt dann das Grübeln an: Schreibe ich „wir“ mieer oder mihr ? Ist „unser“ oos oder ohs ? Ist „Hachenburg“ Hachebursch oder Hachborsch oder Hacheburch? „Keinen“ schreibe ich besser käänen oder kähnen oder reicht auch känen? Sicher gibt es da Fachleute, die das ganz genau wissen, aber dazu gehöre ich nicht. Ich habe mir meine Schreibweise so gebastelt, dass ich zunächst einmal so schreibe, wie es mir passend erscheint. Dann muss – darf –will – kann meine Frau das Lesen. Sie kann kein Noorder Platt, ist sie doch in Neuwied groß geworden und hat ihre Wurzeln in Niederschlesien. Sie liest mir dann meinen Text laut vor. Dass das eine vergnügliche Sache ist, bei der wir oft zu lachen haben, ist gut. Aber es bleibt nicht beim Lachen, denn sie liest die Laute so, wie sie es aus dem Hochdeutschen gewohnt ist. Das klingt manchmal doch sehr eigentümlich. Und dann fängt das Probieren an – ist das „e“ nicht zu dunkel, passt da nicht vielleicht doch besser ein „i“? Oder ist die „Uhr“ eher eine Owwer, eine Ouwer oder eine Oouwer? Manche Stunde geht für diese Feinabstimmung drauf. Trotzdem wird es viele Menschen geben, die eine andere Schreibweise für besser halten – sollen sie. Denn eigentlich schreibe ich ja für mich. Wenn nun Leser auch ein bisschen Spaß beim Lesen haben, freut mich das und meine Frau auch, denn sie hat auch ihren Spaß daran. Vielleicht gibt es ja mehr Menschen, die „Steckelscher“ erzählen können. Dann habt den Mut, sie auch aufzuschreiben, sonst geht das alles verloren und in ein paar Jahren ist mit dem Platt auch die Erinnerung weg. Wem das Schreiben zu mühsam ist, der kann ja auf Band sprechen. Ich will gerne versuchen, daraus dann einen Schrifttext zu machen. Nur Mut! Schmecks Hedi seng Rainer, dä frehjer mol Kurt-Rainer ( woh Rosel) geroofen wuhr. Rainer Hummel, Nordstraße 1, 56242 Nordhofen
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Wie de Hoor geschnirren wuhren
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Nur winisch Lait gängen noh Sältersch bey de Firsör. Dat wohr eijentlisch eher ferr de Weiwerlait. De Mannskällen komen noh Scheyersch. Do kohm dann ain orrer zwaimohl de Woch dä Karl aus Seltersch – dä wohr dohinn gehairot – unn schnitt de Hoor. Wenn et worm genoch wohr, moch hä datt em Hof onner demm Nossbomm. Do wuhr dann en Stohl hinnen gestallt, off demm soos der Kärl, mästens met demm Gesecht noh der Lehn. Dann helt hä eher Rohh. En gruuß Dooch bracht de Scheyersch Baas, datt wuhr iwwer de Schelleren gelacht, onn dann feng dä Karl onn. Dä hatt su en Hoorschneidmaschin, die wuhr met der rechten Hand bedähnt. Die hatt zwai Greffen, der ähn wohr fäst, onn där anner wuhr met denn Fengern dogähn gedreckt. Dann gäng fiehren dat Määser hin onn her onn schnitt de Hoor af. Wenn dä Karl mohl su än Tour iwwer den Kopp gemacht hatt, looch do en ganzer Hiwwel Hoor off demm Burrem. Dann gäng et met där Schähr weirer. Domet schitt hä erscht em de Uuren eremm, dann hennen em Gneck onn de Hals erroff. Wenn hä datt geschafft hatt, hollt hä et Raseermääser. Erscht wuhr datt onn emm Lerrer afgezohen, dann wohr datt rischtich schorff. Mett em Raseerpensel moch dä Karl dann emm de Uuuren onn em Gneck nass, onn schon gäng et met demm Määs los. Zwäi orrer draimohl schrappt hä doh längs, onn schonn wohr kän Hoor mieh do. Dann wuhr nach mol gekämmt, onn schon wohr de Frisur fertisch. Datt wohr net suu fill Offwand, onn der Karl grooch och net fill defier, awwer et hät imm onn den Mannskällen geholfen. Em Wenter onn wenn et gerähnt hätt, wuhren de Hoor ferr der Kesch geschnirren, datt gäng eijentlisch genau suu, awwer doh kohmen net su fill Mannskällen, weil datt Scheyersch Emma net wollt, datt jenn geroocht wuhr. Jaußen wohr em dat egal. Onn gleeft bluus net, datt de Leit dekkes zem Hoorschneiren gängen, die Hoor wuhren suu korz geschnirren, datt dat sechs Wochen räckt. Rainer Hummel
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Wie die Haare geschnitten wurden
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Hier die (sinngemäße) Übersetzung für alle Nicht-Wäller:
Wie die Haare geschnitten wurden Nur wenige Leute gingen nach Selters zum Frisör. Das war eigentlich eher was für die Frauen. Die Männer kamen nach „Scheyersch“. Dorthin kam ein oder zweimal in der Woche der Karl aus Selters – er war dorthin geheiratet – und schnitt die Haare. Wenn es warm genug war, machte er das auf dem Hof unter dem Nussbaum. Dort wurde ein Stuhl aufgestellt, auf dem saß dann der Mann, meistens mit dem Gesicht nach der „Lehn“. Dann hielt er eher Ruhe. Ein großes Tuch brachte die „Scheyersch-Baas“, das wurde über die Schultern gelegt, und dann fing der Karl an zu schneiden. Der Karl hatte eine Haarschneidemaschine, die wurde mit der rechten Hand bedient. Die Maschine hatte zwei Griffe, der eine war fest und der andere wurde mit den Fingern dagegen gedrückt. Dann ging vorne das Messer hin und her und schnitt die Haare ab. Wenn der Karl mal so eine „Tour“ über den Kopf gemacht hatte, lag dort ein ganzer Haufen Haare auf dem Boden. Danach ging es mit der Schere weiter. Damit schnitt er zuerst um die Ohren herum, dann hinten im Genick und den Hals hinauf. Wenn er das geschafft hatte, holte er das Rasiermesser. Zuerst wurde das Rasiermesser auf dem Leder aufgezogen, dann war es richtig scharf. Mit dem Rasierpinsel machte der Karl dann um die Ohren und im Genick nass, und schon ging es mit dem Messer los. Zwei- oder dreimal fuhr er mit dem Messer daran entlang, und schon waren keine Haare mehr da. Dann wurde noch mal gekämmt und schon war die Frisur fertig. Das Haare schneiden war nicht so ein großer Aufwand und der Karl bekam auch nicht viel Geld dafür, aber er hat immer den Männern geholfen. Im Winter oder wenn es regnete, wurden die Haare in der Küche geschnitten, das ging dann genauso, aber dann kamen nicht so viele Männer, weil die Scheyersch Emma nicht wollte, dass geraucht wurde. Draußen war es ihr egal.
Und glaubt nur nicht, dass die Leute öfters zum Haare schneiden gingen, die Haare wurden so kurz geschnitten, dass dies für 6 Wochen reichte.
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Vom Reinholdpatten
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Wesst er nach, wie nach der Zuch fuhr? Ech mänen net die Schinnebusse, nä, denn rischtischen Zuch met der Logemotief. Wenn dä von Seerschen koom, feng dä jo schon an ze peifen, wenn dä en Monnereff om Bollsched iwwer denn Wech zem Stephan fuhr. Onn dann peff dä en dä Lotzenhäck nach poor Mohl eh mer denn off demm Bahndamm soh. Dann wor eijentlich nix meh ze peifen, bes dä onn denn feer Boochen en Sältersch woor. Awwer wenn dä Reinholdpatten von Alekerjen fuhr, dann peff dä nach emol wenn hä omm Stänbrächer enn denn Ausschnitt fuhr, do peff hä emmer zwai Mohl ganz korz. Wänn hä von Sältersch koom, koomen die zwai Peff omm eisernen Breggelschen. Woremm hä dat mooch? Dä wollt denn Norder Leit weissen, datt hä fuhr, seng Frau wohr jo aus Noorden. Ech gleewen, datt dat Peifen schold dronn es, datt ech bes hout logemotiefenkrank sain.
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Bells Stänbruch
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Die Dach gäng ech met mengem Karin de Berch ehenner off denn Stainbruch zoo. Watt es dat jetzt en schiener Wech! Denn hätt der Bells Uli jo su richtisch good gemacht. Freher wor dat joh nur en rischtischer Feldwech met suu deefen Gleesen drenn, datt mer en komm met em Wohn fohren konnt. Onn mier Kenner dorften en eijentlich gor net gohn, weil et jo om Stainbruch su gefährlisch wohr. Monchmohl wuur do jo sogor gesprengt. Onn emmer wohr et esu, datt do die gruusen Stainsbroken erem loochen. Monchmohl loochen die su, dat se kippen konnten, dann währ mer secher duud gewesen. Owwer et wohr schon schlemm genoch, wenn mer von su em Stain eronner fehl, weil mer jo emmer off en anneren Stain fehl, geblood hätt dat fast emmer. Dehäm konnt mer owwer net met bloodischen Bään onkommen, dann hätt mer sich jo verroren, datt mer em Stainbruch wohr. Onn weil dat streng verboren wohr, hätt mer dann nach Schleihj debai gekrischt. Owwer spannend wohr et dach!
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Dat Schild omm Kresschen
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Dat wohr nach net lang noh demm Krech, do wuhr de Stroß noh Seltersch gemacht. Vonn Orwischs aus bess on et Bingels Beemchen wohr se rischdisch geteert, wie de Schossee. Owwer vom Bingels Beemchen bes on de Schossee wohr se nach nuur gesteggt on voller Löscher, baal schlemmer wie en Feldwech. Änes schienen Dachs heng dann omm Bingels Beemchen en rischdisches gruuses Scheld aus Holz. Do droff stohng: Wegeunterhaltungsgrenze Gemeinde Nordhofen / Luftkurort Selters Fill Leit honn dischtisch dodriwwer gelacht, om määsten dä Orwichs Hugopatten, dä bei Schmecks Kurt gewoohnt hätt onn dä sich datt Schild ausgedacht hatt.
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Noorder Platt, geft et dat eijendlich nach?
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Monchmol gleven esch, datt os Noorder Platt ausgestorwen es. Mer heert nach su wat ähnlichet, owwer dat aale Platt es et net mieh. Esch sain jo do och net su dä Fachmann, wail ech erscht fönf Johr ald wor, wie mier no Kaub on de Rhein gezoen sein. Do koom dann su en Steck Kauber en de Sproch, dann honn baal zehn Johr en Freiendiez de Sproch verännert, Aalekerjen on Neiwidd honn dann och nach gefärft. Onn dann koom von menger Frau onn mengen Schwieerleijd och nach Schlesisch debai. Owwer wie mier ferr draisisch Johr wirrer no Noorden gekommen sain, do schwätzten die aalen Leijd nach rischtisch Platt. Onn wenn esch met denn schwätzte, wor esch so rischtisch dehäm. Hout es Platt jo nett mieh soo gefrocht. Wer wat off sich hält schwätzt Huudeitsch on geft sech die greeste Meeh, datt käner mieh merkt, wo mer her kemmt. Drotzdemm well esch probeeren, so poor Steckelcher en Platt ofzeschreiwen. Wer datt hort liest, wird, su mänen esch, schonn dehenner kommen, wat gemänt es.Onn wenn et gor net hinhait, dann geft et dat baal och en err Iwwersätzung.
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Nordhofener Dialekt (Platt)
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Nordhofener Dialekt (Platt), gibt es das eigentlich noch?
Manchmal glaube ich, dass unser Nordhofener Dialekt ausgestorben ist. Man hört noch so was ähnliches, aber die alte Mundart ist es nicht mehr. Ich bin ja auch nicht so der Fachmann, weil ich erst 5 Jahre alt war, als wir nach Kaub an den Rhein gezogen sind. Da kam dann etwas Kauber Dialekt in die Sprache, dann haben bald 10 Jahre Aufenthalt in Freiendiez die Sprache verändert. Altenkirchen und Neuwied habe anschließend auch noch abgefärbt. Und dann kam von meiner Frau und meinen Schwiegereltern auch noch Schlesisch dazu. Als wir aber vor 30 Jahren nach Nordhofen gekommen sind, da redeten die alten Leute noch richtig Dialekt. Und wenn ich mit denen redete, dann war ich richtig zuhause. Heute ist der Dialekt ja nicht mehr so gefragt. Wer etwas auf sich hält, redet Hochdeutsch und gibt sich die größte Mühe, dass keiner mehr merkt, wo er her kommt. Trotzdem will ich probieren, ein paar „Steckelcher“ (kann man nicht so richtig übersetzen) aufzuschreiben. Wer das dann liest, wird, so meine ich schon dahinter kommen, was gemeint ist. Und wenn es gar nicht klappt, dann gibt es bald auch noch eine Übersetzung.
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Wieh ein kläner Jong onn drai Fiernamen koom
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Et woor im Juli 1943, wie esch meng erschte Kresch doot, dat woor mettten em Kreesch. Meng Babba woor em Meerz nach no Afrika gescheckt wooren, seit demm goof et von demm kän Nochricht. Do woor kloor, datt der Jong Hansgeorg häsen musst. Dann hat de Mama en Brorer, der hees Kurt – en Dorf kannt denn jerer als „Schmecks Decker“ – der wor en Russland on käner wosst, wat met emm wor, onn weil der Babba och en Brorer hatt, der Kurt hees onn nach noh Stalingrad gescheckt worren woor, woor der zwaite Namen Kurt. En Krechskammerad vom Babba hees Rainer, do woor poor Dä ferr menger Geburt de Nochricht gekommen, datt der gefallen woor. So woor dä drette Namen Rainer. Enngetrojen wuur dann Hansgeorg, Kurt-Rainer. Onn gerofen wuur Kurt-Rainer. Mett der Zait geng der Kurt verloren onn nur Rainer blief iwwerich. Owwer Schmitten Rosel onn Schlauden Inge reefen nach lang Kurt-Rainer.
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Wie ein kleiner Junge zu drei Vornamen gekommen ist.
Es war im Juli 1943, als ich meine ersten Schreie tat und es war mitten im Krieg. Mein Vater war im März nach Afrika geschickt worden, seit dem gab es von ihm keine Nachricht mehr. Da war klar, dass der Junge Hansgeorg heißen musste. Die Mama hatte einen Bruder, der hieß Kurt – im Dorf kannte ihn jeder als „Schmecks Dicker“ – dieser war in Russland und keiner wusste, was mit ihm war, und weil mein Vater auch einen Bruder hatte, der Kurt hieß und in Stalingrad im Krieg war, war der zweite Name Kurt. Ein Kriegskamerad meines Vaters hieß Rainer. Ein paar Tage vor meiner Geburt kam die Nachricht, dass dieser gefallen war. Somit war der dritte Name Rainer. Eingetragen wurde dann Hansgeorg, Kurt-Rainer und gerufen wurde ich Kurt-Rainer. Mit der Zeit ging der Kurt verloren und nur der Rainer blieb übrig. Aber Schmitten-Rosel (Rosel Molly) und Schlauden-Inge (Inge Czskao) riefen noch lange Kurt-Rainer.
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Mier hatten en Noorden denn erschten onn greesten Abenteuerspillplatz Mier, datt wooren enn ganze Betz Kenner. Do war dä Bamberjersch Heinz, dä Allersch Heinz, dä Jakobs Manfred, dä Minds Udo, dä Skraba, dä Pastursch Gerhard onn der Schullerersch Kurt-Rainer. Spärer koomen dann nach su poor Klääne debai, Jakobs Arno onn Melsbachs Udo. Märrerscher wuuren eijentlich nur metmachen gelossen, wenn mer Versteck spillten, do wooren se good ze gebrauchen. Do wooren et Rosel, et Annemarie, et Irmgard, et Lore onn de zwai Ilsen. Oos Spillplatz woor et ganze Doorf, monchmol wuur och nur em Unnerdorf orrer em Owerdorf gespillt. Do goft et en groose Auswahl onn Plätz, wo mer sech verstächen konnt. Baal jed Schower konnt mer notzen, de Schleppcher onn de Schäppcher. Mer wosst och ganz genau, wo mer net hindorft: Bei Unnerdörfersch dorft mer net en de Schowwer, bei Hanfrees musst mer erscht guggen, ob der Hanfrees Vetter net do wor, en de Pastuursch Schowwer – datt es naun datt Martin-Luther-Haus – dorft mer eijentlich och nett. Owwer dofier gooft et ja do dat Leirerhäjsschen, dat woor och ganz good. Datt mer net dorsch de Goorden loofen dorft woor ganz kloor, enn de Ställ hat mer och nix ze sochen onn mer moch gruuse Böjen emm die ganz ganz aalen Leijd. Der Ketten Vetter – do soht mer net Ketten-Patten onn dau, do soht mer Vetter onn Ihr, woor äner von dänn. Pererschmitz-Vetter, Frörerischs Baas onn Steins Gretchen hatten ett och net gär, wenn merr bei denn of de Hof koom. Do goft et och Schowern, do konnt mer nur secher sein, wenn nach vill Stree , Hai onn Gromisch do war. Die hatten nämlich off demm Gebiehn nur Stangen leijen, onn wenn mer do schwinn fort wollt, konnt mer ganz leicht afstierzen. Schrammen onn blooe Plätz hat mer eijentlich emmer irjendwuu, weil jo och de Beem net gepolstert wooren onn nach nämens wosst, watt Fallschutzplatten wooren. Geschoord hätt et oos secher net, onn Spass hatten mer emmer.
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Watt et em Dorf suu all goof Mer mähnt joo, freher hätt et em Dorf nur Bauerschleijd gegewen, awwer datt stemmt nett: Wenn mer von Vellwich ent Dorf koom, war dat erschte Haus schonn en Betrieb. Do mochen Bäckersch Robert onn Gerhard Gravstän onn Dachpannen aus Betonng. Datt nächste Haus woor Hessen Wertschaft. Do gooft et Fohr Beer. Wenn mer weirer geng, koom merr noh Zellersch. Datt woor die anner Wertschaft met Hachenburjer Beer. Awwer Zellersch hatten och en Loorden – „Kolonialwarenhandlung von Hugo Zöller“ hees datt. Onn do goft et joo fast allet: Zugger onn Salz, Olisch onn Essisch, engelachte Hering onn Wäschpolver, Säf onn Steinolisch, Tubak, Zigarrn, Stompen, Fixhölzscher, Zuckerstän enn gruuse Gläser onn sugor Schokelad. Datt woor zomm Guggen schien, awwer dat Winischste konnt mer koofen, datt kostt joh all Geld, onn des hatten mer net. En Zellersch Kesch goft et denn Postdesch, die hatten nämlich och die Post onn enk von den wenischen Telefonen. Wer onrofen wollt, geng bei Zellersch, do woor dann en der Kesch gewählt onn wenn am anner Enn der Rischtische woor, wur mer ent Stiffchen gescheckt, do stann dat anner Telefon von dem aus mer schwätzen konnt.Poor Johr droff hatten die sugor „Eis am Stiel“, datt woor von Poldi onn et goof poor Sortten. Wenn mer weirer off de Kerchhof zo geng, koom mer on en ganz klän Häisschen, do wor der Schuster dehäm. Groths Wilhelm moch awwer net nur de Schoh ganz, der geng och mett der Schell durch et Dorf unn wor de „Amtliche Bekanntmachung“. Als Gemänsdäner wor he en gans wichtischer Mann, weil he defer sorchte, datt de Leijd wossten, watt se wessen mussden. Wenn he good gelaund woor, doften mier Kenner sugor metlofen onn ausschellen. Wenn he äm dann och nach seng Kapp gof, wor dat wie en Feijerdach. Bamberjersch hatten en Maschien, die wuur von all de Leijd gebraucht. Domet wuuren de Bixen aafgeschnirren onn spärer wuurd der Däckel demet off de Bixen gemacht. Dat wor beim Enmachen vom Obst onn Gemees onn beim Schlachten ganz wichtisch. Onner Zellersch hatt Wänerbäckers Paul seng Werkstatt. Der moch Wohnsrärer unn ganze Wähn, spärer hätt he och Fensteren gemacht. Su arch gär geng esch do net hin, weil he net su gär schwätzte onn esch dach emmer wessen wollt, watt he om machen woor. Dat gefehl mier beim Giels Wilhelmpatten bässer. Der verzahlte emmer, watt he mooch on worem he datt mooch. Bei imm dorft mer och Kletzjer onn Leistscher honn.Dat woor besonnersch em Herst wichtisch, wenn mer Drachen machen wollten. Onn wenn beim Schlirrenfohren henner Fritzen alt emol ebbes kabott gäng, dann konn der Gielsschreiner määstens helfen. Wenn mer dann wirrer onnerm Backes langs off die Gruus Gass zoleef, kom mer noh Schlauden Alma. Die hatt och en klänen Loorden onn bei der goft et kän Rochgescherr. Eimol en der Woch hollt mer bei der Alma Bodder onn Schichtkäs onn watt et su von der Sälterscher Molkerei all gof. Iwwer de Gruus Gass eriwwer kom mer bei Schmitten. Der Schmittenopa woor do schon net me en der Schmitt, die hatte Grotts Otto. Ferr misch wor datt datt Bäste, watt et em Dorf gof. Do wor de Schmitt, en dä datt Mäste gemacht wuur: Metten drenn stohng der Anboss, off dem der Otto dat hässe Eisen mt demm Hammer geschmitt hatt datt et nur su seng Oord hatt. Do wuuren Plochschooren schorf gemacht, de Pladden ferr de Keh passend gemacht, Räfen ferr dem Wähnerbäcker seng Rärer gemacht onn off die Rärer offgezohen onn, dat woor gans wischtisch, Keh beschlohn. Datt die Keh net nur em Stall stohngen onn Melich gewen sollden woor ja kloor, die mussden och off dem Feld schaffen, Wähn zehen, Ploch onn Ähten zehen, suogor de Mämaschien mussten se henner sich herschläppen. Dabei hätten se sich die Fees runginert, wenn se kän Platten gehatt hädden. On monchem Owend hatt der Otto bess drai Keh ze beschlohn. Da wor rischtisch Betrieb ferr der Schmitt. Die mästen Keh leesen dat agnz rohisch met sich machen, owwer et gof su poor Hernerbester, die gofen kän Roh. Die wuren net nur festgebonnen, die mussden och nach gehalen onn monche omm Bauch geriwwen weren, datt der Otto schaffen konn. Wenn mer on der Schmitt weirer gäng, koom mer bei Schmitten Hermann. Der woor Weissbänner onn strech en de Haiser de gooren Stuffen, et gof sugor Leijd, die leesen sich Tapeten onn de Wänn klewen. Owwer der Hermannpatten hatt nach en ganz wischtische Orwet, he woor Standesbeamter. Wenn ämens gestorwen woor, wenn en Kend off de Wäld gekommen woor onn wenn zwai Huchzeid mochen, hatt he datt ze beurkunden. Datt datt en wichtische Orwet woor konn mer dodronn säehen, datt he dofier emmer en die gruuse Stuff geng onn emmer en Jack ondoht. Su watt wie en Bedrief hatten och Scheijers. Do stonn henner dem Haus, off Melsbach zoo, en Kreissäh. Aus demm Schoppen kohm en langer Rähmen onn em Freijohr schnirren der Alwin onn seng Babba stonnenlang Holz ferr annere Leijd. Da hort sich schlemm onn onn mier Kenner mussden emmer en Steck fort bleiwen, weil der Rähmen gefährlich woor. Scheijersvetter hatt en ganz wichtische Orwet, he war Küster onn muss de Glocken leiren. Dat feng met der Morjensglock onn, em elf lait et Meddach onn dann koom de Owendglock. Samstichs Owends laut he de Sonnichsglock onn om Sonnisch hat he besonnersch vill ze dohn, do wuur em acht, em nain onn enn de Kerch gelaut, dat Vaterunser wuur nie vergäsen. Onn do goft nach känen Elekroantrieb onn kän Owwer, die dat reguleert hätt, datt woor räne Handorwet. Een Bedrief hat och Melsbachs Otto, der fohr jeden Daach, eagl ob Sonnisch orrer Werkendach de Melisch noh Sältersch off de Molkerei. Do mussd he die viellen Melichkannen offloren, erschd om Melichbockh ferr dat Owerdorf on der Kerch onn dann om Onnerderfer Melichbock, der woor iwwer Onnerderfersch Haus. Wenn he dann von Säldersch hief koom, lood he die lerischen Kannen , en monchen woor och Machermelisch ferr de Kälwer, wirrer aaf. On dann goft et spärer nach en Bedrief em Owerdorf. Hannfrees Willi ess unner de Fabrikanden gegangen. Aus dämm Neijwidder komen Lastautos met Bims. Dä wuur met Zement gemischt onn net ze nass gemacht onn koom dann en die Kloppmaschien. Do loch onnen en Breed. Met em langen Hewel wuur dann en Form eronner gelassen, de Mischung met er Schepp enngeschäppt onn dann wuur onn er Kurbel gedräht. Da gof Schläh on dann woor aus demm Brabess en Reih Schwemmstän orrer zwei Blockstän gewohren. Dann wuur dat Breed met den Stän fortgedrohn onn offgesatz, die Stän mussden dreijen. Noh porr Daach wuuren dann die Stän von den Breedern gerafft onn offgesatzt, domet se richtig fest wuuren. Onfangs geng datt alles met Muskelkraft, später hatt der Willi en neije Maschin, da schaffte en ganzen Dehl von der Orwett enn elektrischer Modor. Datt woor dach schon ganz schien watt ferr su en klän Dorf, orrer?
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Watt et domols fer Keh gof Enn den Ställ sah et domols ganz annerscht aus, wie dat hout es. Die Ställ woren klän, hatten nirerische Däcken onn kläne Fensteren. Dat räckte joo och, weil en den mästen Ställen nur zwäi orrer drai Keh, enn Rennchen orrer zwai, mochmohl nach en Kalf stohngen. Et gof och genoch Leijd, die harren nur zwai Keh onn en Rennchen. Dann leefen doch nach Hähner eremm on et gof fast en jerem Haus äne orre zwai Seij. Die Keh woren vill kläner wie mier dat naun gewähnt sein. De mästen wooren donkelbraun, monche worren su entet Geeliche gohend, et gof och poor ganz schworze. De bästen, datt sollden die hellbraunen Glankeh sein. Die waren stark onn konnten good zehen onn gofen trotzdemm ganz orrentlich Melich, su emm de zehn Liter om Dach. Do waar Mästersch Dina seng schworze Koh bässer, die gof iwwer zwölf Liter, owwer die zoch net su good. En Sort ganz fer sich hatt Ketten Richard,dä Borrmäster, die woren rood-weiss onn goven ganz vill Melich. Wie der Ketten Kurt emol met su äner beim Schmitt woor, gefehl die mier suu good, datt ich se unbedingt honn wollt. Dä Kurt soht: „Wenn dau mier von dengem Kurtpatten dat braune Rend gefst, kannst de die Ella honn.“ Off demm Afsatz sein esch aus der Schmitt onn en ooseren Stall onn honn dat Rend lossgemacht, Owwer dat hat meng Oma gehort, koom en den Stall geloofen onn hätt ganz ferchterlich met mier geschannt. Su honn mier kään rood-weiße Koh gekrischt. Owwer met dem Kurt hätt se och geschannt. Dä woor jo schon aus der Schul onn ich woor su en Kärlchen von fönf Johr. Die Oma meint, datt hätt der Kurt eijentlich net machen gedorft.
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Wer all Veh em Stall hatt Keh hatten Orwichs, Buurampiterschs, Unnerdöfersch, Abbertsen, Jakobs, Vieren Stoods, Hennen Stoods, Broodbäckersch,Ohlephilpen, Mästersch,dä Ottmar, Gielsschreinersch, Fritzen Robert, Fritzen Phillip,Hoffmanns,XX, Frörerischs, Bamberjersch, Giels Alwin, Pererschmitz, Stauwersch, Jokflöms, Zellersch, Hanfrehs,Hannesen, Stinkerten,Bäckersch Otto, Hessen, Pittersch, Melsbachs Otto, Schneirersch, Melsbachs Karl, Scheijersch, Schmecks, Stomps, Schlauden, Ketten, Amelings, Wähnerbäckers Gemänsoosen hatten Melsbachs Otto, XXX onn spärer Schmecks Kurt. Gail, winischstens änen, hatten Pererschmitz, Bäckersch Otto, Melsbachs Otto, Hennen Stoods, Jokflöms onn Schmecks.
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